6. April 2008

Essen 0:3 FCU

Nach den Vorkommnissen um Guido Spork am Anfang der Woche und spätestens mit der Pokal-Niederlage gegen den Verbandsligisten VFB Hermsdorf Mitte der Woche war klar, dass der erfolgreiche März (ungeschlagen) vorbei ist und der April uns zwar schlechtes Wetter brachte, jedoch keinen Aprilscherz, denn zu ernst wurde die Lage, schließlich drohte unsere positive Bilanz bei einer Niederlage in Essen zu kippen, verbunden mit weiteren internen Reibereien und aufkommender Unruhe im Umfeld.

In dieser verrückten Saison wurde schon bei einigen Spielen das Wort „Endspiel“ benutzt, aber erst das Spiel heute in Essen verdiente tatsächlich diese Bezeichnung: Bei einer Niederlage gegen Rot-Weiß Essen hätten wir nicht nur Essen wieder Hoffnung für die 3. Liga bereitet, sondern gleichzeitig unsere Hoffnungen auf Platz 1 (der bei der aktuellen Tabellensituation angestrebt werden sollte!) auf längere Sicht begraben können.

Und so traten beide Mannschaften dann auch auf. Sehr verhalten und auf Fehler des Gegners wartend, kurz: italienisch. Immer wieder ungewöhnlich für meine Augen ist das Erscheinen der Unioner in den Farben der Seychellen, in diesen unglaublichen hellblauen Trikots. Ich hoffe, in der kommenden Saison haben wir andere Ausweich-Trikots. Wirklich jede andere Farbe (außer Rosa) versprüht mehr Gefährlichkeit als dieses Alfred Biolek-Blau. Anyway, rein ins Geschehen:

Das Wetter hielt sich gut im schönen Georg-Melcher Stadion, auch der Rasen befand sich trotz des Regens in der vergangenen Nacht in einer guten Verfassung. Obwohl es für Essen um alles oder nichts ging, kamen erstaunlich wenige Essener ins Stadion, zudem waren sie dann auch ziemlich leise. Eine kleine Notiz hier am Rande: Auf dem Weg mit dem Zug durch den Pott kam die einhellige Meinung auf, dass hier wirklich nicht die schönsten Menschen wohnen und der Slogan der Region (Ruhrpott-K*******) durchaus seine Berechtigung hat. Ach, Berlin und die Berliner sind doch die Schönsten.

Die 1. Halbzeit war eine Zumutung. Gefühlte alle 30 Sekunden wurde ein Foul im Mittelfeld gepfiffen, meistens gegen den besten Essener, Guié-Mien, oder gegen einen unserer Wühlmäuse, Spork & Bönig. Beide Mannschaften hatten unglaublich viel Angst, Druck auf den Gegner auszuüben, niemand wollte hinten aufmachen, niemand wollte ein Konter-Tor kassieren. Es fanden kaum klar strukturierte Angriffszüge statt. Natürlich stand viel auf dem Spiel, aber ein Unentschieden hätte für beide Vereine zwei verlorene Punkte bedeutet! Zwar hatten beide Teams je 2 hochkarätige Chancen, jedoch stand deren peinliche Verwertung (insbesondere durch Essen) symbolisch für den Angsthasen-Fußball der ersten Halbzeit. Auch der kleinliche Schiri Schößling hatte ein Einsehen und schickte die Spieler sofort nach Beendigung der 45. Minute in die Kabine. Es konnte nur besser werden.

Mal wieder stellte sich heraus, dass, wenn Mattuschka keinen guten Tag hat bzw. vom Gegner kalt gestellt wird, aus dem Mittelfeld in Person von Spork & Bönig offensiv nur Magerkost zu erwarten ist. Wenn dann auch noch das Spiel über die Außen lahmt und Patschinski den sterbenden Schwan markiert, bleibt uns nur die Möglichkeit, über Standards gefährlich zu werden. Dass Union darin stark ist, wurde im Laufe der Saison schon oft bewiesen und auch dieses Mal brachte uns eine Mattuschka-Ecke auf die Siegerstraße an der Hafenstraße: Biran verwandelte die Hereingabe zum 0:1 in der 53. Minute. Zu diesem Zeitpunkt kontrollierte Union das Spiel und legte mehr Zielstrebigkeit an den Tag als im ersten Spielabschnitt. Patschinski hielt die Bälle besser, das Flügelspiel über Löring und den besten Unioner des Tages, Gebhardt, funktionierte besser und das gesamte Spiel nahm nach kollektivem Tiefschlaf in der 1. Halbzeit nun wesentlich mehr Fahrt auf. Essen verstärkte die Offensive, wir die Defensive (Stuff kam für Biran, der emsig war, aber zu wenige stürmerfreundliche Bälle aus dem Mittelfeld bekam). Zur Folge hatte dies, dass Essen mehr Offensivspieler auf dem Feld hatte, ihre Angriffsversuche aber weiterhin erschreckend ungefährlich waren und für die eigenen Fans wohl eine Zumutung sein mussten. Der FCU konterte sehr clever und erzielte das 0:2 und das 0:3 durch Tore von Mattuschka (79. Minute) und Benyamina (90.). Somit taten wir sogar noch etwas für unser Torverhältnis und distanzierten Essen auf 12 Punkte!

Die Moral aus der Geschichte: Durch die Hermsdorf-Niederlage war die Mannschaft merklich verwirrt und konnte nur teilweise in der 2. Halbzeit befreit aufspielen. Objektiv gesehen, kann Union mit dieser Leistung in den kommenden Partien gegen Wuppertal und Bremen keinen Blumentopf gewinnen. Die Mannschaft muss sich gewaltig steigern. Essen war vor dem heutigen Spiel bereits 9x angezählt, wir haben ihnen den Rest gegeben, aber Wuppertal und Bremen werden ganz anders auftreten und ihre Chancen im Gegensatz zu Essen heute in der 1. Halbzeit nutzen. Die Mannschaft feierte zwar dann ihren Sieg ausgelassen auf dem Platz des Gegners, aber ich bin mir sicher, dass Trainer Uwe Neuhaus mindestens wieder so viel zu kritisieren hat, wie nach dem ebenfalls auswärts in Babelsberg 3:0 gewonnen Spiels.

2 Kommentare:

keks hat gesagt…

Ruhrpott-K*******) durchaus seine Berechtigung hat.

Na wie bist du denn drauf?!



Ach, Berlin und die Berliner sind doch die Schönsten.
Oh ja, jedes mal in der S-Bahn bewundere ich den Chic und die Eleganz, die hier herrschen. Von Rudis Resterampe bis Woolworth sind alle grossen Labels vertreten :)

Anonym hat gesagt…

isn't it ironic...