14. April 2008

FCU 1:1 Wuppertal

Vor dem Spiel gegen den Wuppertaler SV gab Trainer Uwe Neuhaus den Fahrplan für den Aufstieg in die 2. Bundesliga vor: 7 Punkte sollten aus den nächsten drei Spielen gegen Wuppertal, Bremen & Cottbus eingefahren werden. Erst bei Erreichen dieses Zieles hatte er anscheinend vor, die derzeit ausgegebene, offizielle Zielsetzung der dritten Liga in zweite Liga zu ändern. Auch ich konnte mich vor dem Wuppertal-Spiel mit dieser Devise anfreunden. Nach dem Spiel allerdings nicht mehr.

Versetzen wir uns einmal in die Psyche eines normalen Union-Profis vor dem Wuppertal-Spiel: „Der Trainer sagt, 7 Punkte aus den nächsten 3 Spielen sind das Ziel. Da würde ja theoretisch auch ein Unentschieden heute gegen den WSV reichen, wenn wir in Bremen gewinnen. Und gegen Cottbus II gewinnen wir ja sowieso.“ Natürlich ist es gewagt, diesen Gedanken zu unterstellen. Aber dadurch könnte sich so einiges erklären, was wir am Samstag erlebt haben:

Eine Union-Mannschaft, die spielerisch dem Gegner überlegen war, jedoch nicht auftrat wie eine Heimmannschaft. Natürlich kann man sich beim lieben Fußballgott beschweren, dass die Wuppertaler 3x auf der Linie klärten, 2x der Pfosten im Weg war und Union nur eine Chance zuließ, die dann jedoch sogleich von Saglik verwandelt wurde. Auch ich habe ein solches Pech in einem Fußballspiel schon lange nicht mehr erlebt. Aber ist das der wirkliche Grund, warum wir nach Babelsberg, Ahlen und Erfurt nun ein viertes Mal in der laufenden Spielzeit 2 Punkte zu Hause verschenkt haben? Meiner Meinung nach, fällt viel schwerer ins Gewicht, dass wir ohne Druck spielten, sprich eben nicht wie eine Heimmannschaft auftraten, die dem Gegner zeigt, dass er in der Alten Försterei auch mit Glück keinen Punkt holen wird, weil wir die Zügel in der Hand haben!

Union war eindeutig die bessere Mannschaft, hat es aber versäumt überhaupt eine Schlinge um des Gegners Hals zu legen. Die Chancen entstanden durch Konter. Konter sind nicht verkehrt. Wenn diese Taktik jedoch bereits in der 50. Minute ausgegeben wird, spricht das nicht gerade für den Trainer! Denn dadurch gibt man dem Gegner zu viel Ballbesitz und automatisch zu viel Kontrolle über das Spiel. In der 50. Minute sollte man sich darauf besinnen, das Spiel mindestens ausgewogen zu gestalten und zu Hause sollte man eindeutig weiterhin Federführend sein! Dies hat Union versäumt. Und diese Angelegenheit fällt klar auf den Trainer zurück. Natürlich kann er nichts dafür, wenn die Dinger vorne nicht reingehen, aber wie Union generell aufgetreten ist, ist Trainer-Sache. Ich verstehe daher nicht die Äußerung von UN im Berliner Kurier nach dem Spiel: „Manche werden jetzt wieder von einem Heimkomplex reden. Aber so wie wir gekämpft und gespielt und den Gegner unter Druck gesetzt haben, kann ich das nicht erkennen. Wir haben bloß versäumt, das zweite Tor zu machen." Ich habe den Druck lediglich nach dem 1:1 wahrgenommen.

Und somit haben wir das Problem: Ein bundesligafreies Wochenende verbunden mit einem Spiel in Bremen. Und wo in Bremen? Im Weserstadion. Dem Stadion der Werder-Profis der 1. Mannschaft. Warum spielt Werder II ausgerechnet an diesem Wochenende im Weserstadion und nicht auf ihrem Heimplatz, dem „Platz 11“? Vielleicht, weil lang verletzte Spieler wie Frings und Klasnic, sowie formschwache Spieler wie Owomoyela und talentierte Nachwuchskräfte wie Harnik, Hunt und Özil die II. Mannschaft des SVW verstärken werden, um Spielpraxis zu sammeln?!

Hinzu kommt, dass Spielgestalter Mattuschka und linker Dauerläufer Gebhardt mit Gelbsperren nicht mitwirken können. Desweiteren sind Heun und Göhlert verletzt und somit müssen wir in jedem Mannschaftsteil mit die besten Spieler ersetzen und dies wahrscheinlich gegen eine Bremer Mannschaft, die mindestens das Niveau einer guten 2. Liga-Mannschaft haben könnte (wenn sie tatsächlich mit Spielern aus der 1. Mannschaft verstärkt werden sollte). Was nun, Trainer? Wir haben uns selber den Revolver auf die Brust gesetzt, ohne uns bewusst zu sein, dass er tatsächlich geladen sein könnte. Nun könnte der Schuss gewaltig nach hinten losgehen, wenn wir in Bremen verlieren.

Wie hätte das Remis und somit die enttäuschten Gesichter der Spieler vermieden werden können? Wie oben schon beschrieben, mit natürlichem Heimmannschafts-Druck und offensichtlich durch eine bessere Chancenverwertung. Und diesbezüglich frage ich, warum Biran bereits in der 51. Minute für Benyamina ausgwechselt wurde? Wenn schon die Konter-Taktik ausgegeben wurde und im Vorfeld in mehreren Zeitungen Zitate von Neuhaus bezüglich Birans Knipserqualitäten zu lesen waren, wundere ich mich, dass er nicht länger das Vertrauen des Trainers genießen durfte und gerade Mitte der 2. Halbzeit, in unserer Konter-Hochphase, seine angeblichen Qualitäten nicht beweisen konnte? Dass Benyamina diese Qualität derzeit nicht hat, musste nicht nochmals bewiesen werden!

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Marco Löring. Er war zwar ballsicher und hat wenig Fehler gemacht, aber ein rechter Läufer muss, wenn er nicht die Ausdauer für 75 Minuten hat, wenigstens eine Halbzeit Vollgas geben und sich dann zur Halbzeit auswechseln lassen. Es nützt Union nichts, wenn der rechte Läufer in der 2. Halbzeit in etwa so langsam ist, wie Ingo Wunderlich auf einem Bein. Die Auswechslungen in der 2. Halbzeit haben eindeutig gezeigt, dass wir leider keinen Auswechselspieler haben, der eine herausragende Qualität hat (zb Schnelligkeit: Odonkor und Wallcott oder Schusstechnik: Podolski), um dem Spiel in den verbleibenden 30 Minuten eine entscheidende Wendung zu geben!

In diesem Sinne das Schlusswort von Uwe Neuhaus aus der Bild-Zeitung: „Jetzt wird es schwer, den großen Traum weiterzuträumen.“

P.S. Ein kleiner Nachtrag aus der Rubrik Schusstechnik:
Angenommen, du rennst aus leicht rechtem Winkel aufs Zuckertor zu, der Keeper kommt dementsprechend raus und steht nicht mittig vor'm Tor, sondern leicht rechts, weil du ja auch von leicht rechts kommst: Dann schieße nie mit der Innenseite des rechten Fußes, wenn du (von dir aus gesehen) den Ball in die linke untere Torecke schießen willst. Du musst extrem gut zielen, weil der Ball sich mit der Innenseite nach links außen dreht, du aber auch nicht zu doll mittig zielen kannst, da ja dann der Torwart einschreiten würde. Die Chance steht hoch, dass du den Pfosten oder neben das Tor triffst. Also: besser mit dem rechten Außenrist oder der Innenseite deines linken Fußes ins linke Toreck schießen, denn da dreht sich der Ball von außen nach innen um den Keeper herum. Grüße an Benyamina.