25. Mai 2008

Lübeck 3 – 7 FCU

Es war nur ein Fußballspiel über 90 Minuten, aber es steht symbolisch für viele der bisher gespielten 3150 Minuten dieser Saison: Nach anfänglich beeindruckenden Aktionen, die auch zu Toren führten, kehrte, ausgeruht auf der Führung, der Schlendrian in die Mannschaft ein und in der Abwehr fanden sich lauter kleine Spongebobs wieder, so unsicher und löchrig schwamm sie daher. Union schaffte es dieses Mal jedoch auf beeindruckende Weise, zurückzuschlagen und sich eben nicht in planlosen Angriffsaktionen zu verrennen, wie erst letzte Woche gegen Magdeburg gesehen. Vieles hatte im Angriff Fuß und Kopf. Großes Geschick, trotz seiner kleinen Körpergröße, bewies Shergo Biran besonders bei Letzterem. Es war sehr beeindruckend, wie das kleine Wiesel ein ums andere Mal nicht nur die Kopfballduelle gegen die wesentlich größeren Innenverteidiger gewann, sondern auch, wie platziert er die Kopfbälle in die Winkel des Lübecker Tores setzte. Nicht nur wir zollen Respekt, auch Dustin Heun, bekannt als legitimer Erfinder des Kopfballzweikampfs, wird Beifall geklatscht haben.

Von der etwa 20 minütigen Zitterphase in der zweiten Halbzeit abgesehen, sahen die 2000 mitgereisten Unioner eine entfesselte Berliner Mannschaft. Auf der einen Seite wollte man sich den treuen Auswärtsfans für ihre Unterstützung dankbar zeigen, auf der anderen Seite wollte man sich die Minimalchance auf die zweite Liga erhalten und bei einem doppelten Punktverlust der Oberhausener das eigene Torverhältnis aufbessern, damit es am letzten Spieltag zum Showdown kommen kann. Was auch gelang, durch den 7:3 Sieg muss Union Oberhausen mit vier Toren Differenz zurück nach NRW prügeln (bei gleichzeitigem Punktgewinn der Erfurter gegen Ddorf) und das Fußballwunder, ja, auch Union könnte endlich ein solches erfahren, wäre eingetreten: Union würde trotz der bitteren Niederlage gegen Magdeburg in die 2. Liga aufsteigen.

Die Hürde mit den vier Toren Differenz, die auch für Allen Johnson in seinen besten Tagen zu hoch sein könnte, schließlich ist der Gegner im letzten Spiel nicht Wolfsburg II sondern die konstanten, mannschaflich sehr geschlossenen Rot-Weißen aus Oberhausen, hätte eventuell auch kleiner sein können, wenn nicht der beste Union-Verteidiger der Saison, Daniel Göhlert, angeschlagen ausgewechselt werden musste. So hat Union noch drei Gegentore kassiert, anstatt, und das ist aufgrund der Lübecker Leistung nicht vermessen, ein zweistelliges Ergebnis erzielt zu haben. An dieser Stelle möchten wir Jan Glinker hervorheben, der eine überragend konstante Saison spielt und auch in Lübeck weitere Gegentore verhindert hat.

Beim Hinspiel gegen Babelsberg kam der Gedanke das erste Mal, man ist aus dem Stadion gegangen und hat in sich hinein gegrummelt, dass am Ende wegen diesem Spiel der Aufstieg um wenige, wenn nicht sogar einen Punkt, verpasst werden könnte. Es folgten ähnliche Spiele mit einer ähnlichen Vorahnung gegen Erfurt, Wuppertal und Ahlen. Man kann nun also resignieren und sich sagen, „was wäre, wenn wir gegen die nicht unentschieden gespielt hätten,“ oder man erzwingt das Wunder und schlägt Oberhausen 4:0! Wir sind noch im Spiel, möglich ist ein solches Ergebnis im letzten Spiel an der Alten Försterei vor der Modernisierung alle mal! In diesem Sinne, brenne, Alte Försterei!