Eine unglaublich aufregende Saison ging am Samstag zu Ende. Das Wunder blieb ein Wunder. Aber trotz der Niederlage empfing mein schweißnasses Herz Gefühle, die kein anderer Verein verursachen kann.
Das Spiel war ein Abziehbild der Saison. Wenn der italienischen Marke Panini irgendwann die Lust ausgehen sollte, Bilder von Kevin Kuranyi zu drucken (was hoffentlich bald der Fall ist), könnten sie stattdessen das Union-Logo ablichten und alle wüssten Bescheid, dass damit der Chancentod gemeint ist.
Trotz aller vergebener Chancen stellt Union den drittbesten Sturm der Liga. Und trotz all dieser 67 Tore raufen sich nicht nur wir Fans die Haare, wenn wir an die ein oder andere Patschinski-Chance denken, sondern auch vom Trainer über den Sportdirektor bis hin zum Präsidenten wird die einhellige Meinung vertreten, dass wir den Aufstieg hätten erreichen können, wenn nicht so viele 100 prozentige Chancen ausgelassen worden wären.
67 geschossene Buden und wir regen uns über die vergebenen Möglichkeiten auf? Eigentlich ein Unding... wäre da eine stabile, sichere Abwehr gewesen. Jedoch konnte diese gar nicht hart wie Beton sein, da dieser für die Modernisierung der Stehplatzränge gesparrt wurde... Es ist mir immer noch unklar, warum wir so viele Gegentore kassiert haben. Gebhardt, Schulz, Stuff, Göhlert und Bemben sind doch eigentlich keine Schlechten. Und nicht jede Mannschaft hat einen Terranova, der aus unmöglichen Winkeln gegen jede noch so gute Abwehr Tore erzielen kann. Vielleicht lag es an der Konzentration oder an zu wenig trainiertem Abwehrverhalten?
Wie dem auch sei, man hat gesehen, dass Oberhausen einfach cleverer war. Sie ließen Union zwar am Anfang gewähren, wodurch gute Chancen entstanden, dies taten sie jedoch nicht aus Selbstzerstörungswillen, sondern um zu testen, was Union drauf hat, wie sie spielen, wo man die entscheidenden Stiche setzen kann. Und dies tat Oberhausen dann auch wie ein verdienter Aufsteiger. Fast jeder Pass in die Spitze war gefährlich und bei fast jedem Oberhausener Angriff war Union nicht etwa in Überzahl, es standen sich eher gleich viele Oberhausener und Unioner gegenüber. Dies zeigte, dass Union das in der Taktikstunde auferlegte Adjektiv „kontrollierte“ vergaß, stattdessen nur „Offensive“ angesagt war und somit in der Rückwärtsbewegung Defizite auftraten, weil fast jeder Spieler sich offensiv beteiligte.
Zur Halbzeit war der Braten dann, gerade auch weil der bis dahin beste Unioner Thorsten Mattuschka mit Rot in die Kabine geschickt wurde, gegessen. Alsbald hat man dann den Klos im Hals hinuntergespült (oder war’s der salzige Schweiß?) und die Mannschaft weiter angefeuert, samt LaOla und damit der tollen Saison und der Mannschaft einen würdigen Abschied bereitet. Nicht nur Trainer Neuhaus würdigte die bedinungslose Unterstützung der Fans, auch Gästetrainer Bruhns bemerkte: „Ich wünsche Union im nächsten Jahr den Aufstieg. Die Atmosphäre hier ist einmalig.“
Bei den anschließenden Feierlichkeiten hätte sich der ansonsten wie immer hervorragende Stadionsprecher schon noch ein paar bessere Fragen für die Spieler ausdenken können. Die Mannschaft wirkte auf der Bühne teilweise leicht unbeholfen. Die erste Band hätte man sich sparen und lieber gleich die Leberschadencrew auftreten lassen können, aber trotz dieser Kleinigkeiten war es einfach herrlich, auf dem heiligen Rasen das ein oder andere Bier trinken zu können und die Atmosphäre der Alten Försterei samt den Union-Fans ein letztes Mal vor der Modernisierung so hautnah genießen zu dürfen.

(Bild von www.unveu.de)
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