Und wieder einmal machte man sich auf den Weg in den ungeliebten, aber punktebringenden JSP. Warum wird das Stadionheft eigentlich nicht am Bahnhof Köpenick verkauft?, dann wäre die Hinfahrt nicht immer so langweilig...
Langweilig war dann die erste Hälfte gegen die von Jürgen Kohler aufgestellten Aalener jedoch ganz und gar nicht. Nein, nein, denn man kam aus dem Kopfschütteln, Augenrollen, verzweifelten Hände gen Himmel strecken und Stoßgebete fluchen nicht heraus. Wann haben wir das letzte Mal eine solch graue, uninspirierte Halbzeit unserer wackeren 11 gesehen? Ich weiß es nicht! Man denkt oft, "dies ist der Tiefpunkt", doch dann gehts noch eine Etage weiter nach unten. Und mit dem Spiel gegen Aalen sind wir nun in der Keller-Etage angekommen. Okay, nicht die vollen 90 Minuten waren eine Zumutung, aber die ersten 45 Minuten fühlten sich ungefähr so an, wie wenn man in einer S-Bahn gefangen ist, die wegen Personenschadens eine Stunde lang nicht weiterfahren kann. Man will weiter, weiter, weiter aber es geht nicht. Man will aber auch nicht raus, nicht raus aufs Gleisbett, denn es könnte ja doch jeden Moment weitergehen. Also harrt man aus. Harrt man aus im tristen Herbst, im tristen JSP.
Dann kam die Halbzeitpause. Mit einem abgefälschten Dogan-Schuss (ein Schuss! Jawoll!) knackte man die höchstens auf Oberliga-Niveau spielenden Aalener. Und Union spielte zu diesem Zeitpunkt höchstens auf Regionalliga-Niveau. Und nicht vergessen: diese ist nicht mehr die dritthöchste Spielklasse. Völlig lethargisch traten die Unioner auf. Man kann das Wort "agieren" gar nicht verwenden oder nur, wenn man das Wort in Verbindung mit einem normalen Sonntags-Verlauf einer gutbetagten Omma im Altersheim bringt. In diesem Tee-Kranz-Radius bewegte sich der FCU. Woran liegt das? Denkt die erste 11, dass sie schon irgendwie gewinnen wird? Mag ja durchaus richtig sein, aber wer sich mit einer solch halbherzigen Leistung zufrieden gibt, hat erstens vergessen, dass man im Job das Optimale aus sich herausholen sollte und nicht mit seinen Reserven hausieren sollte, wenn der Absturz so plötzlich wie im Fußball kommen kann, und zweitens spielen wir noch gegen sechs Teams aus den ersten 8 der Tabelle. Nur gegen Bayern II, die derzeit auf dem 7. Platz sind, haben wir bereits gespielt - und verloren. Die eigentlichen Gegner kommen also noch und wer jetzt von Liga Zwei träumt, denkt wohl auch, dass der Winter in Berlin rosig wird.
Am Ende sprang zwar ein Sieg heraus, durchaus auch durch schön herausgespielte Tore, aber gegen andere Gegner hätten wir eine solche Tracht Prügel bekommen, dass uns auch diese schönen zwei Tore in der 2. Halbzeit lediglich Ergebniskosmetik gebracht hätten. Der nächste Gegner heißt Werder II und gegen diesen hat sich Union in der Vergangenheit sehr, sehr schwer getan. Mögen sie derzeit in der Tabelle nicht gut dastehen (18. Platz), so ist der Werder-Nachwuchs durchaus eine Art Angstgegner. Nach dem Trip an die Weser folgt das wahrscheinlich beste Team dieser Liga, der Zweitliga-Absteiger Paderborn. Wenn sich unsere Spieler nicht langsam darauf besinnen, dass man heutzutage durchaus auch den Lift nehmen kann, um schnell nach oben zu kommen, anstatt langsam die Wendeltreppen hinaufzugehen, droht uns Böses! Wir brauchen mehr Drang nach vorn, mehr Leidenschaft, mehr Risiko, mehr Power! Wir brauchen eiserne Spieler, keine Schlaftabletten.
6. Oktober 2008
Union 3 - 0 Aalen
Eingestellt von
kano
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