23. Juni 2008

Trainingsauftakt

Gerade hat man noch Erinnerungs-Fotos bei der Saisonabschlussfeier von sich und der Alten Försterei machen lassen und schon läuft der Betrieb wieder in vollem Gange. Am heutigen Montag fand das Show-Auftakttraining auf der interessantesten Baustelle Deutschlands (weltweit wäre angesichts Dubei's vielleicht ein bisschen übertrieben) statt. Die Spieler hatten 3 Wochen Urlaub, sollte eigentlich reichen, ist ja nicht der eigene Urlaub, der wäre sonst natürlich viel zu kurz. Einen Monat vor dem Auftakt der neuen, „eingleisigen“ (obwohl man nach Stuttgart leider verdammt oft das Gleis wechseln muss, weil Stuttgart verdammt noch mal sehr weit entfernt ist) dritten Liga, hat also die Saisonvorbereitung der Mannschaft um Trainer Uwe Neuhaus begonnen.

In diesem einen Monat wird Union weder in ein richtiges Trainingslager fahren, noch auf richtige Testspielgegner treffen. Dies ist eigentlich nicht weiter schlimm, hat man es doch bis jetzt versäumt, richtige Neuverpflichtungen nach Köpenick zu holen. Es ist in diesen Tagen (aber eigentlich doch schon immer) eine Frage des Geldes. Trainingslager in der saftigen Höhe, zb in der Schweiz oder in Österreich, wie es die Erstligisten tun werden, kann sich Union nicht leisten. Und Neuverpflichtungen, die, ohne den sechs Neuen zu nahe treten zu wollen, die Mannschaft verstärken, anscheinend auch nicht. Zwar klingt die Zahl 6 sehr stattlich (besonders bei einer anderen Aussprache), jedoch hat von diesen 6 Neuen nur der Ersatztorwart Busch (von Babelsberg gekommen) die Altersgrenze von 20 Jahren überschritten. Es ist also nicht vermessen, zu behaupten, dass diese neuen Spieler wohl keine tragende Rolle in der Stammelf spielen werden. Aber wer weiß... auch ein Cesc Fabregas erntete wohl einige schlimme Vorahnungen, als er mit 16 das erste mal das Trikot der 1. Männermannschaft Arsenal Londonds tragen durfte. Und nun haut er die Italiener raus! Aber mal ehrlich: Ich hoffe, wir bekommen noch einen Neuzugang, der uns weiter hilft. Und nicht erst in der Winterpause, wenn wir die Hinrunde verschlafen haben.

Wie oben schon erwähnt, fand das Training heute in der BAF, Baustelle Alte Försterei, statt. Täglich arbeiten um die 30-40 Arbeiter, viele davon sind freiwillige Fans, mit an der Sanierung der drei Stehplatztribünen. Am Ende jeden Tages kann man auf den Bildern von www.unveu.de eine weitere hübsch betonierte Stehplatzreihe bewundern. Das Projekt läuft ohne Probleme und verspricht erfolgreich zu werden, die Alte Försterei wird neu strahlen!

Ach ja! Nicht nur die Italiener sind raus, auch Guido Spork, der italienischste Unioner, ist raus. Raus aus der Mannschaft, raus aus dem Verein. Er wurde freigestellt, er darf sich einen Neuen suchen, vielleicht wird er ja in Italien fündig. Da passt er hin. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht schreiben, ich habe mich schon breit über ihn ausgelassen, siehe hier.

Die neuen Trikots (40 € das Stück) des neuen Ausrüsters Doyoufootball wurden heute ebenfalls vorgestellt. Und, BÄM BÄM BÄM, sie sind einfach mal verdammt gut gelungen. Sehr retro, sehr schlicht, mit einem sehr stylischen Kragen versehen, einem guten Schnitt, dem schönen alten Logo (!) und einem dominierenden Rot im Heimtrikot, nicht wie letzte Saison, dieses Real-Madrid-Weiß (bzw. Jogi Löw-Hemden-Weiß). Seht unten selbst. Die Schwarzen sind die Auswärtstrikots, die Roten die Heimtrikots und die gelben, hässlichen die Ausweichtrikots, die wir, wenn wir in Stuttgart spielen, dem KSC-Anhang schenken können. Das Schwarze wird für ordentlich Angst sorgen, wenn wir auswärts in stechenden Kontern und überfallartigen Angriffen den favorisierten Heimgegner demontieren werden. Ach... sorry, ich hab kurz die russichen Auftritte bei der EM mit Union verwechselt. Großes Danke an die Designer! Kein Firlefanz, keine Berghain-Kleidung, sondern schlichte schöne Arbeitskleidung! Das wichtigste: Ich habe mir sagen lassen, dass eine Karim-nutzt-jede-Torchancen-Nutz-Faser mit eingenäht wurde.

3. Juni 2008

FCU 0 – 3 Oberhausen

Eine unglaublich aufregende Saison ging am Samstag zu Ende. Das Wunder blieb ein Wunder. Aber trotz der Niederlage empfing mein schweißnasses Herz Gefühle, die kein anderer Verein verursachen kann.

Das Spiel war ein Abziehbild der Saison. Wenn der italienischen Marke Panini irgendwann die Lust ausgehen sollte, Bilder von Kevin Kuranyi zu drucken (was hoffentlich bald der Fall ist), könnten sie stattdessen das Union-Logo ablichten und alle wüssten Bescheid, dass damit der Chancentod gemeint ist.

Trotz aller vergebener Chancen stellt Union den drittbesten Sturm der Liga. Und trotz all dieser 67 Tore raufen sich nicht nur wir Fans die Haare, wenn wir an die ein oder andere Patschinski-Chance denken, sondern auch vom Trainer über den Sportdirektor bis hin zum Präsidenten wird die einhellige Meinung vertreten, dass wir den Aufstieg hätten erreichen können, wenn nicht so viele 100 prozentige Chancen ausgelassen worden wären.

67 geschossene Buden und wir regen uns über die vergebenen Möglichkeiten auf? Eigentlich ein Unding... wäre da eine stabile, sichere Abwehr gewesen. Jedoch konnte diese gar nicht hart wie Beton sein, da dieser für die Modernisierung der Stehplatzränge gesparrt wurde... Es ist mir immer noch unklar, warum wir so viele Gegentore kassiert haben. Gebhardt, Schulz, Stuff, Göhlert und Bemben sind doch eigentlich keine Schlechten. Und nicht jede Mannschaft hat einen Terranova, der aus unmöglichen Winkeln gegen jede noch so gute Abwehr Tore erzielen kann. Vielleicht lag es an der Konzentration oder an zu wenig trainiertem Abwehrverhalten?

Wie dem auch sei, man hat gesehen, dass Oberhausen einfach cleverer war. Sie ließen Union zwar am Anfang gewähren, wodurch gute Chancen entstanden, dies taten sie jedoch nicht aus Selbstzerstörungswillen, sondern um zu testen, was Union drauf hat, wie sie spielen, wo man die entscheidenden Stiche setzen kann. Und dies tat Oberhausen dann auch wie ein verdienter Aufsteiger. Fast jeder Pass in die Spitze war gefährlich und bei fast jedem Oberhausener Angriff war Union nicht etwa in Überzahl, es standen sich eher gleich viele Oberhausener und Unioner gegenüber. Dies zeigte, dass Union das in der Taktikstunde auferlegte Adjektiv „kontrollierte“ vergaß, stattdessen nur „Offensive“ angesagt war und somit in der Rückwärtsbewegung Defizite auftraten, weil fast jeder Spieler sich offensiv beteiligte.

Zur Halbzeit war der Braten dann, gerade auch weil der bis dahin beste Unioner Thorsten Mattuschka mit Rot in die Kabine geschickt wurde, gegessen. Alsbald hat man dann den Klos im Hals hinuntergespült (oder war’s der salzige Schweiß?) und die Mannschaft weiter angefeuert, samt LaOla und damit der tollen Saison und der Mannschaft einen würdigen Abschied bereitet. Nicht nur Trainer Neuhaus würdigte die bedinungslose Unterstützung der Fans, auch Gästetrainer Bruhns bemerkte: „Ich wünsche Union im nächsten Jahr den Aufstieg. Die Atmosphäre hier ist einmalig.“

Bei den anschließenden Feierlichkeiten hätte sich der ansonsten wie immer hervorragende Stadionsprecher schon noch ein paar bessere Fragen für die Spieler ausdenken können. Die Mannschaft wirkte auf der Bühne teilweise leicht unbeholfen. Die erste Band hätte man sich sparen und lieber gleich die Leberschadencrew auftreten lassen können, aber trotz dieser Kleinigkeiten war es einfach herrlich, auf dem heiligen Rasen das ein oder andere Bier trinken zu können und die Atmosphäre der Alten Försterei samt den Union-Fans ein letztes Mal vor der Modernisierung so hautnah genießen zu dürfen.

(Bild von www.unveu.de)