Mit dem ersten Solo-Album vom Seeed-Sänger Peter Fox als Soundtrack ging’s los auf einer entspannten Fahrt von 12555 Welthauptstadt ins angebliche Paradies. Die Fahrt war sehr entspannt, trotz einer reichlich gefüllten Autobahn, die wieder einmal mit unglaublich vielen Baustellen gespickt war. Macht aber nichts, denn wir Unioner können fliegen, aber nur bis der Gegner Cottbus II heißt. Hört euch das Fox-Album an. Eine Platte voller Hassliebe zu unserer Stadt. Und mit Hassliebe kennen wir uns aus, sind wir doch untrennbar mit dem FCU verwoben.
Ich war zwar schon einige Male in Jena, aber es ist immer wieder schön, in dieses von kleinen Bergen umzingelte Städtchen zu reisen. Als wäre die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten und könnte in dem Tal aller schlechten Einflüsse der Menschheit entflüchten. Die Atmosphäre war überhaupt nicht mit Auswärtsspielen wie zb. in Dresden, Erfurt oder Magdeburg zu vergleichen. Die Jenaer Fans wirkten sehr entspannt, sehr locker, friedlich. Nur das unverhältnismäßig große Polizeiaufkommen legte einen kleinen Schatten über das wirklich wie ein Paradies wirkende Ernst-Abbe-Sportfeld. Eigentlich müsste man den Staat verklagen, schließlich scheint er sehr weit weg von der Fußballbevölkerung zu sein, ansonsten würde er nicht mit unseren Steuergeldern ein solch hohes Polizeiaufgebot bezahlen, anstatt die sich in Jena in der Sonne bräunenden Polizisten am Freitag nach Rostock geschicken zu haben, wo sie es sich im Pufferblock gemütlich hätten machen können. Sogar die Ultras beider Fanlager haben gemeinsam Spruchbänder hochgehalten und eine wohl abgestimmte, weil fast identische, Choreo präsentiert.
Negativ fiel jedoch die schlechte Block-Organisation der Jenaer auf, die auf die hohe Zahl der Union-Fans nicht vorbereitet zu sein schienen. 5 Minuten nach Spielbeginn hotteten dann die Unioner, die nicht mehr in den eigentlichen Gästeblock passten, in den gegenüberliegenden Kurven-Block ein und schon stimmte man gemeinsam einen Wechselgesang ein. Der Support der Unioner war teilweise wirklich Gänsehaut hervorrufend. Die ganze erste Halbzeit besang man die Rot-Weißen und sorgte somit fast für Heimspielatmosphäre. Die Unterstützung war wirklich immens! Big tunes guys! Fairerweise muss man aber noch hinzufügen, dass durch die von Stehplätzen zu Sitzplätzen umgewandelte Gegengerade der jenaer Fans einer Unterstützungs-Kastration gleichkommt. Das Publikum wirkte teilweise wie Operetten-Publikum und in keinster Weise vergleichbar mit der Gegengeraden der Alten Försterei.
Was macht ein guter Trainer, wenn er nicht die Spieler hat, um sein bevorzugtes System zu spielen? Das System umstellen und nicht stur seine Linie durchziehen. Genau das hat Uwe Neuhaus getan. Weil Benyamina verletzt ist, Heun einen Rückschlag erlitten hat, Patschinski neben sich steht und ein Einsatz von Beginn an für Steven Jahn zu früh kommt, hat Neuhaus das einzig richtige getan und mit nur einem etamäßigen Stürmer angefangen. Biran dankte es ihm mit dem Führungstreffer. Union spielte also mit einem extrem variablen Mittelfeld, so konnte sich die Abwehr je nach Bedarf mit 3 oder aber auch mit 5 Spielern formieren und das Mittelfeld konnte rochieren und Abgesandte in die Spitze schicken.
Jena wirkte zudem sehr verunsichert. Man merkte der Mannschaft und dem Publikum an, dass hier hohe Erwartungen zu Beginn der Saison enttäuscht wurden. Union konnte diese Verunsicherung jedoch nicht ausnutzen. Wollte oder konnte der FCU den Jenaern den Schneid nicht abkaufen? Auswärts spielt unsere 11 leider zu abwartend. Wenn man sieht, dass der Gegner dem Boden entgegenwankt, muss man den finalen Stoß setzen, statt zu warten, bis sich der Gegner 45 Minuten lang wieder aufrichtet. Aus der Mitte unserer Mannschaft, von den Führungsspielern Göhlert in der Abwehr und Gebhardt und Mac im Mittelfeld, muss eine solche Spielinteligenz vorausgesetzt werden, dass sie erkennen, wann man einen Gegner unter Druck zu setzen hat. Das hat in Thüringen nicht funktioniert und so kam Jena aus der Kabine und hatte ca. 15 Minuten mehrere Chancen um dem Augleich auch noch den Führungstreffer folgen zu lassen. Aber, wie es so schön im Fußball heißt: wenn man unten in der Tabelle steht, gesellt sich zum Pech auch noch das fehlende Glück hinzu.
Union verlässt sich zu oft auf Standard-Tore. Das Problem, was eigentlich kein Problem ist, ist, dass dann auch noch ein Standard-Tor fällt. So, wie das 2:1 durch Stuff. Diese Tore kaschieren die fehlenden spielerischen Tormöglichkeiten. Nicht umsonst sagte Tusche nach dem Spiel, „wenn wir jetzt noch anfangen, mal wieder ein bisschen mehr Fußball zu spielen, können wir uns auf die nächsten Partien freuen.“ Das gute ist, dass Unions Potential bei weitem noch nicht ausgeschöpft, man trotzdem seit 7 Spielen ungeschlagen ist. Es ist also noch Luft nach oben und anscheinend weiß das auch die Mannschaft. Dass Neuhaus sich dies ebenfalls bewusst ist, dürfte klar sein. Und, dass Steven Jahn in Zukunft vor Patschinski eingewechselt werden sollte, hat Patsche sich mal wieder selbst zuzuschreiben.
Es war fußballerisch keine Offenbarung, aber es reichte für einen angeschlagenen Gegner. Eine Steigerung ist dringend nötig, sonst erwartet uns am Samstag im Jahn-Sportpark wieder ein Unentschieden.

