29. September 2008

Jena 1 – 2 Union

Mit dem ersten Solo-Album vom Seeed-Sänger Peter Fox als Soundtrack ging’s los auf einer entspannten Fahrt von 12555 Welthauptstadt ins angebliche Paradies. Die Fahrt war sehr entspannt, trotz einer reichlich gefüllten Autobahn, die wieder einmal mit unglaublich vielen Baustellen gespickt war. Macht aber nichts, denn wir Unioner können fliegen, aber nur bis der Gegner Cottbus II heißt. Hört euch das Fox-Album an. Eine Platte voller Hassliebe zu unserer Stadt. Und mit Hassliebe kennen wir uns aus, sind wir doch untrennbar mit dem FCU verwoben.


Ich war zwar schon einige Male in Jena, aber es ist immer wieder schön, in dieses von kleinen Bergen umzingelte Städtchen zu reisen. Als wäre die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten und könnte in dem Tal aller schlechten Einflüsse der Menschheit entflüchten. Die Atmosphäre war überhaupt nicht mit Auswärtsspielen wie zb. in Dresden, Erfurt oder Magdeburg zu vergleichen. Die Jenaer Fans wirkten sehr entspannt, sehr locker, friedlich. Nur das unverhältnismäßig große Polizeiaufkommen legte einen kleinen Schatten über das wirklich wie ein Paradies wirkende Ernst-Abbe-Sportfeld. Eigentlich müsste man den Staat verklagen, schließlich scheint er sehr weit weg von der Fußballbevölkerung zu sein, ansonsten würde er nicht mit unseren Steuergeldern ein solch hohes Polizeiaufgebot bezahlen, anstatt die sich in Jena in der Sonne bräunenden Polizisten am Freitag nach Rostock geschicken zu haben, wo sie es sich im Pufferblock gemütlich hätten machen können. Sogar die Ultras beider Fanlager haben gemeinsam Spruchbänder hochgehalten und eine wohl abgestimmte, weil fast identische, Choreo präsentiert.


Negativ fiel jedoch die schlechte Block-Organisation der Jenaer auf, die auf die hohe Zahl der Union-Fans nicht vorbereitet zu sein schienen. 5 Minuten nach Spielbeginn hotteten dann die Unioner, die nicht mehr in den eigentlichen Gästeblock passten, in den gegenüberliegenden Kurven-Block ein und schon stimmte man gemeinsam einen Wechselgesang ein. Der Support der Unioner war teilweise wirklich Gänsehaut hervorrufend. Die ganze erste Halbzeit besang man die Rot-Weißen und sorgte somit fast für Heimspielatmosphäre. Die Unterstützung war wirklich immens! Big tunes guys! Fairerweise muss man aber noch hinzufügen, dass durch die von Stehplätzen zu Sitzplätzen umgewandelte Gegengerade der jenaer Fans einer Unterstützungs-Kastration gleichkommt. Das Publikum wirkte teilweise wie Operetten-Publikum und in keinster Weise vergleichbar mit der Gegengeraden der Alten Försterei.


Was macht ein guter Trainer, wenn er nicht die Spieler hat, um sein bevorzugtes System zu spielen? Das System umstellen und nicht stur seine Linie durchziehen. Genau das hat Uwe Neuhaus getan. Weil Benyamina verletzt ist, Heun einen Rückschlag erlitten hat, Patschinski neben sich steht und ein Einsatz von Beginn an für Steven Jahn zu früh kommt, hat Neuhaus das einzig richtige getan und mit nur einem etamäßigen Stürmer angefangen. Biran dankte es ihm mit dem Führungstreffer. Union spielte also mit einem extrem variablen Mittelfeld, so konnte sich die Abwehr je nach Bedarf mit 3 oder aber auch mit 5 Spielern formieren und das Mittelfeld konnte rochieren und Abgesandte in die Spitze schicken.


Jena wirkte zudem sehr verunsichert. Man merkte der Mannschaft und dem Publikum an, dass hier hohe Erwartungen zu Beginn der Saison enttäuscht wurden. Union konnte diese Verunsicherung jedoch nicht ausnutzen. Wollte oder konnte der FCU den Jenaern den Schneid nicht abkaufen? Auswärts spielt unsere 11 leider zu abwartend. Wenn man sieht, dass der Gegner dem Boden entgegenwankt, muss man den finalen Stoß setzen, statt zu warten, bis sich der Gegner 45 Minuten lang wieder aufrichtet. Aus der Mitte unserer Mannschaft, von den Führungsspielern Göhlert in der Abwehr und Gebhardt und Mac im Mittelfeld, muss eine solche Spielinteligenz vorausgesetzt werden, dass sie erkennen, wann man einen Gegner unter Druck zu setzen hat. Das hat in Thüringen nicht funktioniert und so kam Jena aus der Kabine und hatte ca. 15 Minuten mehrere Chancen um dem Augleich auch noch den Führungstreffer folgen zu lassen. Aber, wie es so schön im Fußball heißt: wenn man unten in der Tabelle steht, gesellt sich zum Pech auch noch das fehlende Glück hinzu.


Union verlässt sich zu oft auf Standard-Tore. Das Problem, was eigentlich kein Problem ist, ist, dass dann auch noch ein Standard-Tor fällt. So, wie das 2:1 durch Stuff. Diese Tore kaschieren die fehlenden spielerischen Tormöglichkeiten. Nicht umsonst sagte Tusche nach dem Spiel, „wenn wir jetzt noch anfangen, mal wieder ein bisschen mehr Fußball zu spielen, können wir uns auf die nächsten Partien freuen.“ Das gute ist, dass Unions Potential bei weitem noch nicht ausgeschöpft, man trotzdem seit 7 Spielen ungeschlagen ist. Es ist also noch Luft nach oben und anscheinend weiß das auch die Mannschaft. Dass Neuhaus sich dies ebenfalls bewusst ist, dürfte klar sein. Und, dass Steven Jahn in Zukunft vor Patschinski eingewechselt werden sollte, hat Patsche sich mal wieder selbst zuzuschreiben.


Es war fußballerisch keine Offenbarung, aber es reichte für einen angeschlagenen Gegner. Eine Steigerung ist dringend nötig, sonst erwartet uns am Samstag im Jahn-Sportpark wieder ein Unentschieden.



(Bild von unveu.de)

24. September 2008

Dresden 0 – 1 Union & Union 1 – 1 Braunschweig

Manchmal frage ich mich, ob diese Mannschaft keine Eier hat. Manchmal frage ich mich, ob da unten auf dem Platz ein rosa gefärbter, kastrierter Pudel einem pinken Bällchen hinterher läuft statt einer rot-weiß gefärbten Einheit, die dem Gegner das Fürchten lehrt. Oder man sagt es mit den Worten Marco Gebhardt’s, „uns fehlt der letzte Kick!“ Man fragt sich nur, waum dieser letzte Kick fehlt? Warum spielt Union gegen manche Mannschaften viel engagierter, zielstrebiger, drängender als gegen andere? Dresden war spielerisch alles andere als eine Offenbarung, aber vom Willen her konnte man auch ohne Fernglas aus dem hinter der Elbe versteckten Gästeblock erkennen, dass diese Mannschaft die Dresdner unbedingt besiegen wollte. Sie kamen zur zweiten Halbzeit aus der Kabine und legten los, als gäbe es kein Morgen.

Gegen die Braunschweiger Eintracht, die, zugegeben, sehr kompakt stand, habe ich diesen Willen vermisst. Mac erwischte keinen guten Tag, wurde aber auch sträflich allein gelassen, weil Dogan zu offensiv spielte und dem Gegner in der Rückwärtsbewegung oft nur hinterher rannte. Dies lag aber nicht an Dogan, der einer der besten Unioner war, sondern an Patschinski, der mal wieder ein Totalausfall war. Dogan musste schlicht weiter vorne spielen, weil sich Shergo sonst wie ein einzelner Maulwurf gegen 4 starke Braunschweiger Großgrundbesitzer hätte alleine durchbuddeln müssen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal denken würde, aber wie gut wäre es, wenn Neuhaus noch einen Benyamina in der Hinterhand gehabt hätte, dann hätte Patsche die Kabine in der 45. Minute nicht mehr verlassen. Auch Tusche wirkte fremd auf dem Platz. Wahrscheinlich ist er durch seine Sperre tatsächlich noch nicht richtig angekommen, aber einem Genie muss man Zeit geben. Und Neuhaus wird sicherlich an ihm festhalten, denn er ist einer der Wenigen, die ein Spiel alleine entscheiden können (siehe Dresden).

Einige Spielzüge waren teilweise sehr schön anzuschauen. Das wichtige dabei ist, dass aus den schönen Flügel-Kombinationen auch handfeste Chancen (2x Shergo, Dogan) heraussprangen. Die Frage ist nur, warum Union nicht öfter konsequent den Weg nach vorne über die Flügel sucht? Gerade die linke Seite ist mit Gebhardt und Kohlmann optimal besetzt. Und eben diese Shergo-Chancen zeigen doch, dass unsere Berliner 11, wenn sie erst mal richtig anfängt zu spielen, auch zu Chancen kommt und das Abwehr-Bollwerk der Gegner überwinden kann. Aber leider, leider gibt es immer noch zu viele sinnlos nach vorne geschlagene Bälle. Union lässt sich einfach zu schnell vom schlechten Spiel des Gegners anstecken, anstatt dem Gegner das eigene Spiel aufzudrängen. Und von der Bank können leider noch keine mitreißenden Alternativen eingewechselt werden, die dem Spiel doch noch eine entscheidende Wendung geben können.

Am Anfang des Spiels merkte man Union eine stolze Selbstsicherheit an. Diese tut sicherlich gut, kann aber auch zu Fahrlässigkeit und Überschätzung („wir gewinnen schon irgendwie“) führen. Prompt wurde man mit dem 0:1 überrascht. Union muss sich bewusst werden, dass jede Minute gekämpft werden muss, jede Minute entscheidend sein, jede Minute für eigene Tor-Versuche genutzt werden kann! Union muss immer präsent sein und darf nicht so oft in die union-typische Starre verfallen. Denn besser war, außer den Bayern, noch kein Gegner!


(Bild von unveu.de)