3. August 2009

FCU 0 - 5 SVW

Der SV Werder Bremen ist neben dem FC Bayern München die beste deutsche Vereinsmannschaft des 21. Jahrhunderts. Auch, wenn der Verein aus dem Norden die letzte Saison nur auf dem 10. Tabellenplatz abschloss, hat sich mit dem Erreichen des UEFA-Cup Finals und dem Gewinn des DFB Pokals gezeigt, dass er daneben auch der beste Pokal-Verein der Liga ist. Etliche deutsche Nationalspieler befinden sich in seinen Reihen - Wiese, Fritz, Mertesacker, Frings, Borowski, Marin, Özil – die für hohe Qualität, sowie Erfahrung stehen. So gesehen hat Union das denkbar schlechteste Los gezogen.

Aber, aber, aber! Ein Underdog hat immer die Möglichkeit, den haushohen Favoriten mit Kampf und Leidenschaft ins Wanken zu bringen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Favorit den unterklassigen Gegner unterschätzt und ihn im Vorbeigehen besiegen will. Werder hat gestern eindrucksvoll gezeigt, wie man eine Sensations-Euphorie beim Underdog bereits im Keim erstickt. Union hatte sich vorgenommen, das Spiel so lange wie möglich offen zu halten, doch das erste Tor fiel bereits in der 12. Minute. Bis dahin hielten die Bremer den Ball konstant in ihren Reihen. Sie ließen Union keinen einzigen Angriff starten. Es sah teilweise aus wie beim Handball, wenn die eine Elf um den Strafraum der anderen herumkombiniert, ohne den Ball zu verlieren. Trotz der Bremer Überlegenheit basierte das erste Tor auch auf individuellen Fehlern: Parensen rutscht weg (was ihm öfter passierte) und Glinker ließ am kurzen Pfosten einen haltbaren Schuss passieren. Nach dem Tor, auf dem Weg zum Anstoss am Mittelkreis, sah man keinen Unioner in die Hände spucken – alle ließen die Köpfe hängen. Dies zeigt: Union ging mit zu viel Respekt und irgendwie auch einer Spur von Angst in das Spiel. Die Spieler wirkten wie gelähmt: Sie konnten weder ihr läuferisches noch ihr kämpferisches Potenzial abrufen. Im Mittelfeld stimmte die Zuordnung überhaupt nicht. Die Idee, mit einer Doppelsechs die Kreativität der Bremer zu unterbinden, ist sicherlich legitim, jedoch nicht, wenn man nicht die Spieler dafür hat bzw. nicht eingespielt ist. Peitz wirkte sehr, sehr unglücklich. Trotz seiner Größe konnte er wenige Zweikämpfe gewinnen, zudem war seine Fehlpassquote zu hoch. Mac wusste in der ersten halben Stunde nicht, wo er hingehört, so sah man ihn plötzlich, als wäre er ein Stoßstürmer, in die Spitze auf Tim Wiese zurennen. Auch Gebhardt spielte schlecht. Er genoß mehr oder weniger einen Freifahrtsschein und konnte sich im Mittelfeld nach Belieben tümmeln – so war er jedoch überall und nirgendwo – das Spiel lief völlig an ihm vorbei. Sahin pendelte zwischen linkem Mittelfeld und Außenstürmer hin und her und wirkte dabei wie eine Boje im Atlantik bei Sturmstärke 10. Hinzukommt, dass er sich nicht über den Kampf in ein Spiel hineinfressen kann, sondern eher von der einen, entscheidenden Aktion im Spiel lebt. So blieb er über die gesamte Spielzeit eine Fehlbesetzung. Trainer Neuhaus hat das kongeniale Abwehrduo Göhlert/Stuff gesprengt und den Kapitän Schulz an die Seite Göhlerts gestellt. War das 0:2 noch ein unglückliches Stocher-Tor nach einer Ecke, so war das 0:3 hingegen ein vermeidbares Tor, wenn sowohl Bemben, sowie Göhlert als auch Schulz sich vom schnell ausgeführten Freistoß der Bremer nicht hätten überraschen und überrennen lassen. Auch dies zeigt, dass Union im Kopf und somit auch in den Beinen nicht frisch war.

Uwe Neuhaus hat in der Vergangenheit fast alles richtig gemacht. Deshalb rechnete man zur Halbzeit eigentlich mit mindestens einer Änderung: Peitz runter, Dogan rauf und Formationswechsel zur Raute. Auch Sahin hätte durch Biran oder Moskito ersetzt werden können. Es geschah jedoch nichts. Borowski und Frings konnten weiterhin nach Belieben ihre Defensiv-Aufgaben vernachlässigen und fast auf eine Höhe zu Marin und Özil aufschließen – Union hatte ja niemandem im offensiven Mittelfeld, den sie fürchten mussten. Werder nahm sich nun zurück, man könnte auch sagen, sie schonten sich, und Union bekam durch ihre besten, Benyamina, Brunnemann und Mac, für etwa 10 Minuten etwas mehr offensive Spielanteile und kam sogar zu einer guten Chance, die Tim Wiese jedoch glänzend parierte. Nun wechselte Thomas Schaaf die Kreativen Marin und den gar nicht anwesenden Özil aus. Auch Union wechselte und nahm den platten Gebhardt raus und überraschend auch den spritzigen Brunnemann. Der Neuzugang Moskito zeigte sogleich, wie Kampf und Laufbereitschaft aussieht: Erst verlor er im Spielaufbau einen Ball, dann erkämpfte er ihn sich in der eigenen Hälfte zurück, indem er einen Bremer Spieler mit Leichtigkeit auf der Außenbahn überholte und ihm den Ball abnahm. Das Spiel verflachte nun jedoch zunehmend, da Werder den Spielbetrieb einstellte. Trotzdem schenkten sie Glinker noch zwei weitere Tore ein, wobei der in der letzten Saison tadellos agierende Torwart beim 0:5 wieder einen Ball in der kurzen Ecke durchließ.

Fazit: Union ergab sich kampflos und verunsichert ihrem Schicksal. Es ist leicht zu sagen, dass dies an einer falschen Aufstellung lag. Ich vermute ganz stark, dass auch mit einer anderen Formation eine Niederlage gegen die Bremer nicht abzuwenden gewesen wäre, jedoch hätte sich Union vielleicht etwas würdevoller aus der Affäre ziehen können.


(Bild www.unveu.de)

31. Juli 2009

Vorschau FCU – SVW

Endlich, möchte man sagen, macht der Sommer seinem Namen alle Ehre: Am Sonntag, dem Spieltag der ersten und aus Unioner Sicht hoffentlich nicht letzten Runde des DFB Pokals, geht der Wetterfrosch-Poser Nr.1 des deutschen Fernsehens, Jörg Kachelmann, von Sonne, blauem Himmel und mindestens 30° aus. Früher bedeutete ein solches Wetter beim Besuch der Alten Försterei hochgradige Sonnenbrand-Gefahr. Nun, mit dem neuen Dach über dem Kopf, brauchen sich nur noch die unteren Zuschauer-Reihen mit Sonnebrille und Hut schützen.

Es wird das erste Pflichtspiel in der nAF sein und nicht nur die Temperatur wird dafür sorgen, dass es im schönsten Fußball-Wohnzimmer Berlins nach verbranntem Rasen riechen wird. Die AF ist seit Wochen ausverkauft – keine einzige Karte ging in den regulären, offiziellen Verkauf. Viele Fans sind extra zum Babelsberg-Testspiel gegangen, um sich noch eine Karte für das Pokalspiel zu sichern. Diese waren noch vor Ende des Testspiels vergriffen. Eine, aus Vereins-Seite gesehen gekonnte Maßnahme, denn so nahm der 1. FCU nicht nur Geld für die Werder-Eintrittskarten ein, sondern auch noch einen ganzen Batzen durch die Babelsberg-Karten. Aus Fan-Sicht: Abzocke!

Doch man kann sicher sein, dass diejenigen, die Karten bekommen haben, alles dafür tun werden, um die Rot-Weißen zu einer Sensation zu verhelfen. Die Fans sind durch den Stadionbau noch enger an den Verein gerückt – Union bedeutet so viel mehr als nur Niederlage oder Sieg: Wenn der SVW seiner Favoritenrolle gerecht werden sollte, wird halt das Stadion besungen. Aber noch rollt der Ball nicht. Noch hat das durch zahllose Pokal-Legenden entstandende Underdog-Kribbeln keinen Dämpfer erhalten. Die Union-Spieler scheinen bereit zu sein: Schalke kann davon ein Lied singen. Zwar sollte man das Testspiel vom letzten Wochenende nicht als Maßstab nehmen, um einen Vergleich mit Werder zu bemühen, denn dafür war Schalke einfach viel zu viel Schalke, aber es hat dazu gereicht, um sich eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein zu holen. Die Vorfreude auf Werder wäre bestimmt nicht so groß, wenn man gegen Ekeltypen wie Rafinha, Kuranyi und Streit eine Klatsche bekommen hätte. Denn wie sähe die Perspektive dann erst gegen die gestandene n Nationalspieler Mertesacker und Frings bzw. die Nachwuchshoffnungen Özil und Marin aus?! Sicherlich alles andere als rosig. Wenn man zu den aufgezählten Werderanern noch die Herren Wiese, Naldo, Fritz, Jensen, Almeida und Sanogo hinzuzählt, wird offensichtlich, dass Union neben den Tugenden des Kampfes und des unermüdlichen Laufens sowie der geballten Unterstützung der Fans trotzdem den Fußball-Gott zu 100% auf seiner Seite haben muss, um das Spiel gewinnen zu können. Bremen wird alles daran setzen, um nach der letzten, im Endeffekt doch unbefriedigenden, weil national katastrophal abgeschlossenen Saison, mit einem Erfolgserlebnis in die neue Spielzeit zu gehen. Bis auf den Sturm ist Werder hervorragend aufgestellt: Naldo und Mertesacker bilden ein Innenverteidiger-Duo vom feinsten, das Mittelfeld ist mit der Mischung von Kreativität (Özil, Marin) und dem gradlinigen, typisch deutschen Spiel (Frings, Borowski) gesegnet. Viele Spieler (Wiese, Frings, Fritz, Borowski) wollen sich für die WM 2010 empfehlen und werden dadurch sicherlich extra motiviert sein. Trotz all der Namen und persönlichen Motivationen könnte man jedoch annehmen, dass es nicht rund läuft – das letzte Testspiel ging gegen den gestandenen 2. Ligisten Aachen mit 2:3 (0:3) verloren...

Bei Union sind alle Spieler fit, es stellt sich somit die obligatorische Frage, wer neben dem gesetzten Benyamina im Sturm auflaufen wird. Zur Auswahl stehen Biran, Sahin und der Neuzugang von der Weser, John Jairo Mosquera. Letzterer hat gute Chancen zumindest eingewechselt zu werden: Ein Trainer schickt gerne einen Spieler auf’s Feld, wenn dieser gerade vom Gegner verpflichtet wurde. Trainer Neuhaus und Sportdirektor Beeck scheinen begeistert zu sein vom Kolumbianer, der in seiner Vita eine Anstellung beim großen argentinischen Club River Plate vorzeigen kann. Er zeigte gegen S04 sehr gute Ansätze und stellt als Spielertyp den nötigen Kontrast zu Benyamina dar, wohingegen Biran und Sahin im Vergleich mit Benyamina doch sehr ähnlich, und manchmal eben zu ähnlich, sprich ausrechenbar, sind. Weiterhin offen ist der Innenverteidiger-Posten neben dem gesetzten Göhlert. Es konkurrieren Kapitän Schulz, Stuff (fehlerloser Stammverteidiger der abgelaufenen Saison) und Neuzugang Bernd Rauw (Belgien, Spieler mit der besten Kicker-Note der letzten Saison) um den offenen Platz. Man kann auch hier nicht mit Gewissheit sagen, wen der Trainer aufstellen wird – es könnte jeden der Drei treffen. In der Vorbereitung wurde jedoch spekuliert, dass Rauw „einen Tick“ (Bye Bye Klinsmann) mehr Ansehen beim Trainer genieße würde. Fest steht jedoch, dass Neuzugang Brunnemann (St. Pauli) Mittelfeldspieler Mattuschka verdrängt hat. Tusche, Liebling der Fans, kam letzte Saison auf 41 Einsätze in Pokal und Liga und war damit der Dauerrenner der Eisernen. Nun hat er vorerst das Nachsehen.

Es ist alles bereitet für einen herrlichen Fußballnachmittag. Union ist dank der sportlichen Erfolge und der Stadionrenovierung kein kleiner Regional- oder Drittligist, den die großen der Bundesliga im Vorbeigehen besiegen können. Achtung, zugezogener Fisch: Es wird laut und Rot-Weiß in unserm Haus!



26. Juli 2009

FCU 2 – 1 S04

Freundschaftsspiele sind angeblich schwer einzuordnen: Auf der einen Seite stehen die Teams noch nicht voll im Saft, sondern, ganz im Gegenteil, sind sie von Treppenläufen und Steigerungsläufen beim Anpfiff eines Freundschaftsspiels schon so ausgelaugt, wie sonst erst nach dem Spiel. Auf der anderen Seite will sich jeder Spieler für die Startelf des ersten Pflichtspiels empfehlen und gibt dementsprechend alles, egal, wie fertig er auch sein mag. Trifft dazu noch ein unterklassiger Verein auf einen Stamm-Verein der 1. Bundesliga, packt der Underdog (listen to Kasabian) noch ein paar Körner oben drauf, zumal eine für ein Freundschaftsspiel sehr ansprechende Kulisse von 13500 Zuschauern die renovierte Alte Försterei mit Vorfreude auf die kommenden Herausforderungen füllte.

Beide Trainer schickten ihre beste Elf auf den saftigen, erst vor wenigen Wochen verlegten, Rasen, der an einigen Stellen stark unter Wasser stand, womit sich vor allem die technisch versierteren Gäste, allen voran der flinke Außenstürmer Jefferson Farfan, schwer tat. Ein Vorurteil, das sich jedoch oft bestätigt: widrige Platzverhältnisse kommen dem Underdog entgegen. Hoffentlich regnet es auch am Sonntag gegen den SVW (obwohl’s bei denen geschätzte 366 Tage im Jahr regnet, sie es also gewohnt sein würden). An dieser Stelle sei hervorgehoben: das Dach hielt stand! Was für ein ungewohntes Gefühl für die heilige Spielstätte, befand sich doch seit 1920 kein Dach über dem Rund. Ein gewaltiges Charakteristikum der AF war immer der ungebremste Weg in den Himmel – in schlechten Zeiten konnte man als Fan ohne Umwege Stoßgebete in den rot gefärbten (oder schwarz verhangenen, drohenden) Himmel über den Bäumen der Wuhlheide abfeuern. Das Stadion stellte nicht nur eine Symbiose mit den umgebenden Bäumen dar, sondern bei Wind, Regen, Schnee und Sonne auch immer eine unausweichliche, direkte Verbindung mit dem Himmel. Oft konnte man das Geschehen unten auf dem Rasen nur mit höherer Gewalt erklären. Dies gehört seit dem Eröffnungsspiel gegen die Hertha der Vergangenheit an. Jetzt gibt’s keine Ausreden für die Rot-Weiße Elf auf dem Platz.

Aber Ausreden scheint diese Mannschaft sowieso nicht zu brauchen – unglaubliche 21 Mal spielte sie in der letzten Saison zu Null! Das Spiel wurde demnach nicht von Gazprom angezettelt, sondern Union qualifizierte sich mit den 21 gegentorlosen Spielen gegen den Erfinder der Devise: „Die Null muss stehen!“ Nach diesem Motto scheinen auch die Anhänger dieses sehr eigenen Vereines zu leben: Null Stimmung im voll besetzten Gästeblock. Auch die Union Ultras waren anwesend, aber ebenfalls nicht zu hören – wahrscheinlich aus Protest gegen die von ihnen als penetrant angesehene ständige Begleitung dieses Spiels: Schalkes Hauptsponsor Gazprom. Ob die Schalker deswegen ebenfalls so still wie die, hinter ihnen malerisch fließende, Wuhle waren, weiß ich nicht – ich kann mir aber nur schwerlich vorstellen, dass sie damit gegen ihren Hauptsponsor protestieren wollten. Das Logo haben sie jedenfalls noch nicht vom Trikot entflockt. Was mir übel aufstößt, ist die Formulierung von Gazprom, mit dem Geld Union die Möglichkeit geben zu wollen, eigene Fanstrukturen aufbauen zu wollen. Sind wir ein Verein mit 100 Mitgliedern, die Zwieback essen und Windeln tragen? Unsere Fankultur ist vielfältig, eigenständig und in der Lage ein Stadion zu modernisieren und deswegen singen wir: You're trying hard to put us in our place, and that is why we've gotta keep running, the future is mine and it's your disgrace, cos in the end your laugh means nothing!

Union hat heute gerockt – eiskalt haben Dogan, Brunnemann und Benyamina ihre Angriffe gestartet. Dabei stand die Abwehr um Chef Göhlert stabil, als würden sie noch in der Dritten Liga gegen Gegner X spielen, anstatt gegen die achsodollen Schalker Knappen. Diese konnten kein Gefühl der Überlegenheit schaffen - sie hatten ein unglaubliches Kreativitätsloch im Mittelfeld. Union kämpfte als ginge es um den Einzug in die zweite Pokalrunde. Ich glaube, Dogan kann in diesem Spiel mehr Ballgewinne verbuchen, als in der gesamten Rückrunde der Dritten Liga. Nebenbei hat er auch noch flinke Bälle in die Spitze gespielt – er war zusammen mit Benyamina der beste Unioner - Karim hat so viel Verve in seinen Begegnungen – das wird eine Freude mit ihm in der 2. Liga! Kohlmann hat sich rehabilitiert – überraschend stand er für Parensen in der Startelf und musste gegen die Prunkseite der Königsblauen antreten: Rafinha und Farfan machten ihm das Leben nicht einfach, aber er meisterte die Aufgabe sehr gut.

Hoffentlich lassen sich Mannschaft, Trainer und Fans von diesem Auftritt nicht blenden. Denn Werder ist eine andere Hausnummer, auch, wenn deren Saison ähnlich durchwachsen wie die der Schalker verlief. Aber mit Pizarro, Mertesacker, Naldo, Marin, Özil, Frings und Borowski sind sie besser als die Schalker aufgestellt. Trotzdem hat Union eine nicht geringe Chance, zu gewinnen. Die AF wird voll sein – alle, auch die Ultras werden sich wieder die Seele aus dem Leib schreien und die Mannschaft auf dem Platz scheint extrem fit für den Fight zu sein. Das erste Pflichtspiel in der neuen Alten Försterei kann kommen! There’s still something beautiful in the air...

(Bild von unveu.de)

9. März 2009

Nico Patschinski

Offizieller Kündigungsgrund: Das Vertrauensverhältnis sei geschädigt, da Patschinski an Poker-Runden des B*C teilgenommen und sich dort unschön über seinen Arbeitgeber geäußert haben soll. Kann man damit ein Gerichtsverhahren gewinnen? Wohl kaum. Ein solches strebt Patschinski nun jedoch an, er fühlt sich ungerecht behandelt – seiner Meinung nach ist die Kündigung unter den uns bekannten Argumenten nicht rechtens. Dazu kommt seine mangelnde Arbeitseinstellung, die ihn in die zweite Mannschaft beförderte. Diese Degradierung ist ein normaler Prozess mit Spielern, die keine Leistung bringen, sie ist dem Arbeitgeber Union Berlin gestattet. Jedoch eine Kündigung einzureichen, weil man an einem Pokerturnier teilnahm, scheint unverhältnismäßig. Es müssen also noch weitere, härtere Gründe für den Rausschmiss vorliegen, sonst wird sich die Führungsetage Unions vor Gericht blamieren.

Es ist nicht bekannt, was wirklich, was tatsächlich vorgefallen ist. Dass er an einer Pokerrunde beim Erzrivalen teilgenommen hat, scheint sich durch mehrere Quellen zu bestätigen. Ist diese Teilnahme ein so gewichtiger Grund, dass er eine Kündigung nach sich zieht? Auf der einen Seite betont der normale Unioner zwar, wie er den B*C verabscheut, ergänzt aber in jedem Satz, wie unwichtig ihm der Club aus Hohenschönhausen sei, da er sportlich keine Konkurrenz darstellt, bzw. sportlich die Machtverhältnisse klar für Union sprechen. Desweiteren war Patschinskis langjährige, väterlich bedingte Beziehung zum B*C seit langem bekannt, aber erst jetzt wird er als Verräter gestempelt.

Sollte ein Union-Fan einen langjährigen Union-Spieler, der viele Tore für den FCU geschossen hat und nun zweifellos sportlich nachgelassen hat, aufgrund des Pokerturnieres dermaßen diffamieren, wie es auf Spruchbändern gegen Dynamo Dresden geschah? Hat man andere Informationen, als der normale Unioner den Berliner Zeitungen entnehmen konnte? Wenn nicht, hat man die Macht der Meinungsmache in der „Kurve“ leichtfertig und unüberlegt hergegeben. Wer nichts genaues weiß, sollte nicht den Richter spielen.

Im Patschinski-Fall wurde bisher einseitig informiert, nämlich durch den Verein. Der nun ohne Job dastehende Spieler hat sich bisher nicht wirklich zu den Vorgängen geäußert. Es wird zu einem Prozess kommen und dann wird sich herausstellen, was genau passiert ist. Erst dann sollte man sich eine endgültige Meinung bilden und bis dahin sollte man nicht vorschnell richten. Vielleicht sollte man seine Meinung im kleineren Kreis vertreten und auf die öffentliche Meinungsmache verzichten. Zu schnell werden Tore vergessen, kommen drei Buchstaben ins Spiel. Herrgott, es ist nur Fußball.

Und wie oft wurden wir Fans das 1. FC Union Berlin in der Medien-Landschaft pauschal in den Dreck gezogen und konnten uns dagegen kaum wehren? Wie oft wurden Klischees bedient, wieder rausgekramt ohne, dass die Mehrzahl der Fans Gründe dafür lieferte? Und nun springen einige Fans auf den gleichen Zug auf, ohne wirklich zu wissen, was passierte.

3. November 2008

Union 1 – 0 Düsseldorf

Auch einen Tag nach dem Sieg bin ich noch sehr beeindruckt von der Leistung der eisernen Elf! Besonders die erste Halbzeit sah alles andere als nach Amateurfußball, sondern wahrlich nach Profifußball aus! Willkommen in der dritten Liga! 1. Platz: 1. FC Union Berlin! Jawoll!


Union kontrollierte die ersten 70 Minuten des Spiels. Und das gegen einen namenhaften Gegner, der zudem auf Platz 3 der Tabelle rangierte. Union spielte überlegt, kontrolliert, geduldig. Alles hatte Hand und Fuß, was man selten bei Union sieht. Aber anscheinend hat sich etwas Grundlegendes geändert. Denn Union hatte einen Plan. Union war bissig, gab keinen Zweikampf verloren, hatte gefühlte 80 % Ballbesitz. Düsseldorf erinnerte mich stark an den etwas dummen Boxer Sylvester und Union an den überlegenen Boxer Felix Sturm. Die beiden kämpften in der Nacht zuvor gegeneinander und in jeder Runden-Pause sagte der früher als Maurer angestellte Trainer von Sebastian Sylvester seinem Schützling: „Wir sind hier hergekommen, um zu gewinnen. Du musst mehr machen! Du musst mehr machen!“ Gleiches dachte sich wahrscheinlich der ein oder andere Fan der traditionsreichen Fortuna. Was Düsseldorf ablieferte, war nicht siegeswürdig. Was Union ablieferte, war bis zum Strafraum sehr gut, im Strafraum fehlten jedoch die wirklich zwingenden Möglichkeiten. Und die wenigen Chancen wurden teilweise spektakulär, aber immer auch dankbar vom Düsseldorfer Keeper vereitelt (Freistöße, die gefährlich aussahen, es aber im grunde genommen nicht waren) bzw. vom eigenen Stürmer (Patschinski) vergeben wurden. Und so hätte es kommen können, wie es auch bei Felix Sturm hätte kommen können: Eine Unachtsamkeit zum Kampfende hin und all die Überlegenheit in den Minuten zuvor wäre vergessen gewesen. Zum Glück wurde ein Tor der Düsseldorfer wegen Abseits nicht anerkannt und die ein oder andere brenzlige Situation mit Dusel überstanden. So langsam dürfte das Union-Glück für die Hinrunde der Saison aufgebraucht sein… Trotzdem spricht man nun aufgrund der Spielanteile natürlich von einem verdienten Sieg der Berliner, vergisst man dabei, dass im Fußball nicht immer der bessere, sondern oft einfach nur der clevere gewinnt. Aber es gibt auch im Jahre 2008 Gerechtigkeit und so wurde die Mannschaft, die mehr in den Sieg investierte, belohnt. Obwohl, wenn wir von Gerechtigkeit reden, müssen wir auch zugeben, dass der ein oder andere Schiedsrichter die Berührung von Menz am gegnerischen Stürmer gepfiffen hätte und auf Elfmeter für Düsseldorf entschieden hätte. Wenn wir uns jedoch mal genau überlegen, ob dies wirklich ein Elfmeter gewesen wäre, dann kommen wir zu dem Schluss, dass einige verweichlichte Schiedsrichter und sich aufblasende Medien dafür gesorgt haben, dass solche harmlosen, sesselpfurzenden Berührungen mittlerweile gepfiffen werden und somit Baskettball mit Fußball verwechselt wird. Also war es absolut richtig, dass hier kein Elfmeter gegeben wurde. Und der angebliche Handelfmeter, auf den will ich hier erst gar nicht eingehen. Denn solche Argumente sollte man schön stecken lassen, wenn man selbst ganz genau weiß, was man hätte alles besser machen können, als nach dem Spiel rumzulamentieren (Grüße an Norbert M.).


Bedauerlich ist lediglich, dass wir wieder zwei Ausfälle zu beklagen haben: Mac, bester Mann auf dem Feld, fehlt in Unterhaching wegen seiner fünften gelben Karte und Kohlmann fehlt mindestens 2 Wochen wegen einem dicken Knöchel. Dafür ist Dogan wieder spielberechtigt, sowie Ruprecht und Schulz im Trainig. Letzterer war am Sonntag sogar das erste Mal seit langer, langer Zeit wieder im Kader und machte es sich auf der Bank gemütlich! Willkommen zurück, Kapitän. Mal gucken, wo für dich in dieser stabilen Abwehr Platz ist…