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Union, die Zwischenmannschaft

Tabellarisch gesehen ist Union jenseits von Gut und Böse. Eine Zwischenmannschaft, sozusagen. Nur ohne Seidenschal und Nivea-Creme. Dieser Zustand hält eigentlich schon seit dem 18. Spieltag, seit dem 4:0 Sieg gegen den FSV Frankfurt an. Damals war klar, mit dem Abstieg würde man nichts zu tun haben. Es folgte die 5:0 Niederlage in Fürth, wodurch den zwei, drei Utopisten unter den Union-Fans und den drei, vier Gazetten verdeutlicht wurde, dass die Mannschaft auch mit dem Aufstieg nichts zu tun haben würde. Diese Situation hat ein Unionspieler so deutlich noch nicht gekannt. Man steckte zwar seit dem Aufstieg in die zweite Liga nie im Treibsand des wirklichen Abstiegskampfes fest, man war aber auch noch nie zu so einem frühen Zeitpunkt relativ gesichert.

Die letzten Monate haben zum einen gezeigt, dass Union vermehrt spielerische Akzente setzen will, dass zum anderen dabei aber auch die Punkteausbeute ein wenig in Vergessenheit geriet. Union fehlt derzeit die richtige Balance zwischen Kampf und Glanz. Die Reihenfolge dabei sollte eigentlich klar sein, denn ohne Kampf kein Glanz. Wenn beides fehlt, verliert man zwangsläufig auch in dem Teil Badens, der ohne Creme und Seidenschal auskommt und steht komplett ohne Punkte da.

Wie kann man die restlichen Spiele erfreulich gestalten, damit sowohl Mannschaft als auch Fans ihren Spaß an 700 kilometerlangen Autofahrten haben?
Die Zeit ist geeignet, um sich, ganz unabhängig von positiven oder negativen Drucksituationen, einen gesunden Siegeswillen anzueignen. Das klingt jetzt zwar ziemlich beKloppt, bedenkt man jedoch, dass Union aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wie Hoffenheim aus der Asche emporsteigen, sondern sich, ähnlich wie Fürth, ganz allmählich höheren Aufgaben nähern wird, dann kann man sich getrost auf einige weitere dieser Zwischenspielzeiten einstellen. Und dann tut es gut, den Antrieb nicht im Existenziellen zu suchen, sondern im natürlichen Siegeswillen eines Fußballprofis, der eine Woche lang trainiert, um dann am Wochende die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Wie das wohl der BeKloppte anstellt? Es mutet so an, als würde er seine Spieler unter der Woche ohne Ball in einen Käfig sperren, um ihre Lauf- und Spiellaune am Wochenende umso mehr zu provozieren. Selbsteingeständnisse, wie das von Michael Parensen nach dem KSC-Spiel, „die Einstellung hat gefehlt, offenbar haben wir gedacht, dass es heute auch mal so geht“, gehören hoffentlich in Zukunft der Vergangenheit an.

Na ja, und, dass ein Schal manchmal doch ganz gut sein kann, davon kann Christian Stuff bestimmt ein Lied husten. 3 Wochen Husten ohne richtige Diagnose, ob das nun am Verhalten des Spielers, am behandelnden Arzt oder am Verein lag, wissen auch die Sterne über Baden nicht. Aber es zeigt uns mal wieder: Union bleibt Union.
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Union - Frankfurt 0:4

Eintracht Frankfurt ist nicht wirklich mit dem FC Barcelona zu vergleichen, der Messeturm ist nicht die Casa Batlló. In der Ballbesitz-Statistik sind die Mannschaften hingegen auf den ersten Plätzen ihrer jeweiligen Ligen. Umso erstaunter schaute Gästetrainer Armin Veh auf den Statistik-Zettel, der den Zweitliga-Trainern nach jedem Spiel auf der Pressekonferenz bereit gelegt wird. Dort musste sich seine Frankfurter Eintracht dem 1. FC Union Berlin geschlagen geben. Jedoch nur in der Ballbesitz-Kategorie. Bei den Toren stand eine dicke, fette 4, die nicht mit sich diskutieren ließ. Freundlich überließen die Frankfurter den Unionern den Ball, um dann mit ihrer geballten Erstliga-Erfahrung (Nikolov 221, Köhler 163, Meier 156, Idrissou 139 Spiele in der 1. BL) die Kugel gnadenlos im Tor von Jan Glinker zu versenken. Union-Trainer Uwe Neuhaus konnte seiner Mannschaft „keinen Vorwurf machen“. Er hätte gerne gewusst, was passiert wäre, wenn „uns der Ausgleich oder der Anschlusstreffer zum 1:2“ gelungen wäre. Sein Kollege Armin Veh dachte sich daraufhin, 'was wäre eigentlich, wenn die Casa Batlló nicht in Barcelona, sondern in Frankfurt stehen würde, würde Messi dann am Main seine gelben Schühchen schnüren?'

Man kann es sich mit der Analyse einfach machen: Frankfurt stand defensiv gut organisiert und konterte im Stile einer Aufstiegself, wohingegen Union vorne zu harmlos war. Die Berliner um Regisseur Torsten Mattuschka konnten in den entscheidenden Momenten das Tempo nicht erhöhen, um echten Druck auf das gegnerische Tor zu erzeugen. Dies ist die eine Wahrheit. Der Anderen kann man entnehmen, dass Union anscheinend gewillt ist, die sich seit dem Auswärtssieg in Braunschweig zeigende neue Spielanlage vom frühen Pressing und dem direkteren Weg zum Tor auch gegen nominell besser besetzte Teams zu beherzigen. Dass dies gegen tief stehende Frankfurter nicht so gut gelang, ist nicht verwunderlich. Neben dem individuellen Vorsprung der Frankfurter Spieler erklärt sich die Niederlage auch damit, dass eine solch gravierende Umstellung der Spielphilosophie nicht von Heute auf Morgen gelingen kann. Rückschläge müssen mit einberechnet werden. Dass Union nicht den Kopf verlor und es nicht mit blindem Kick and Rush versuchte, ist, will man auf lange Sicht gesehen an der Tabellenspitze angreifen, sogar als Fortschritt zu werten.

Zu den Geschehnissen auf den Rängen wurde eigentlich bereits alles gesagt. So selten wie die Sternenkonstellation mit Jupiter, Venus und Mond an diesem Montag zu sehen war, war auch die Solidarität der grandiosen Mehrheit an Fans in der Alten Försterei gegen vom DFB verhängte Kollektivstrafen. Nur in drei, vier anderen Stadien der ersten beiden Ligen wäre es möglich gewesen, von allen vier Stadionseiten so nachhaltig seinen Unmut gegen das Aussperren von Gästefans zum Ausdruck zu bringen. In vielen Stadien regiert nun einmal nicht nur in den Chefetagen, sondern auch auf den Tribünen der Blick für den kurzfristigen Erfolg, wohingegen u.a. an der Alten Försterei das große Ganze nie aus den Augen verloren wird. Und mit Blick auf die Spiele gegen Aue (Donnerstag, 18 Uhr) und St. Pauli (Dienstag, 17:30 Uhr) wiederholen wir es gerne nochmal: FICK DICH DFB!

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Grenzen ausloten

Vor gar nicht allzu langer Zeit, Mitte August 2011 in Dresden, die Luft irrte zwischen heißem Asphalt und bedecktem Himmel hin und her, da wähnte sich der Unionfan, die Heimfahrt mit einer 0:4 Packung antretend, nicht nur schutzlos dem Grollen Petrus’ ausgesetzt, sondern auch dem Hinkelstein der zweiten Liga, der Union diese Saison wohl ans Tabellenende zu drücken schien. Bedrohlich wirkte nicht die magere Punkteausbeute zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison, sondern die sich ihrem Schicksal ergebende Mannschaft. Besonders die, laut Aussagen der Spieler, immer noch schmerzende Pokalpleite in Essen bereitete wohl auch dem Trainer Bauchschmerzen, da auf dem Platz keine homogene Mannschaft zu stehen schien. Es fehlte der Kampf, eine dem Verein wesensimanente Eigenschaft. Dies ließ bei einigen Fans die Alarmglocken schrillen und die Spieler aufhorchen. 

Nun, Mitte März des Jahres, in dem laut den Maya die Welt untergehen soll, ist Union endgültig im oberen Mittelfeld der zweiten Liga angekommen. Schon lange war das Gewässer nicht mehr so ruhig, Union hat sich etabliert. Dazu kommt eine klar zu erkennende spielerische Entwicklung. Man könnte vermuten, die dem katalanischen Fußball entfernt ähnelnde Spielweise färbt von den vielen spanischen Touristen ab, die sich in Berlin aufhalten, wahrscheinlicher hingegen ist die kontinuierliche Arbeit des Trainerteams und der Spieler selbst. 

Laut eigener Aussage will man nun den Rest der Saison nutzen, um sich Respekt für die kommende Spielzeit zu erarbeiten. Teams die vor Union stehen, wie Frankfurt, St. Pauli und Düsseldorf will man ein Bein stellen. Niederlagen, wie die gegen Fürth, ließen den Unterschied zu einer Spitzenelf deutlich werden. Doch diese auferlegte Grenze will sich die Neuhaus-Elf nicht gefallen lassen. Und die anstehenden Duelle sind bestens geeignet, um das Potential dieser Mannschaft auszuloten. Mit welchem Selbstverständnis und Selbstvertrauen Union in die kommende Saison gehen wird, entscheidet sich in den nächsten Spielen. Es wird sich zeigen, wie weit die Entwicklung der Mannschaft fortgeschritten ist und mit welchem Ziel in die nächste Saison gestartet werden kann. Fürth versucht seit 15 Jahren in die erste Liga aufzusteigen, Union ist erst im dritten Zweitliga-Jahr. Insofern sollte sich der Verein nicht grämen, wenn es mit dem Beinstellen noch nicht klappen sollte. Das bisher Erreichte ist beachtenswert genug.